Waldenser

 
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Der Gründer

Vor mehr als 800 Jahren begann die waldensische Bewegung mit einem Mann namens Petrus Waldus. Er war ein reicher Kaufmann in der Stadt Lyon, angesehen, bewundert und auch gefürchtet. Im Jahr 1170 geschah der Wendepunkt im Leben des Kaufmanns Petrus Waldus. Ab diesem Tag war Waldus nicht mehr derselbe. Bis er sich zu seinem folgenschweren Entschluss durchgerungen hatte, waren sicher harte innere Kämpfe auszufechten, von denen niemand etwas wußte. Zuerst ließ er von zwei Priestern das Neue Testament in seine Muttersprache übersetzen. Er wollte die Bibel jetzt selbst lesen können, nicht nur abschnittweise hören. Dann versorgte er seine Familie finanziell, um sie dann zu verlassen. Er verkaufte seinen ganzen Besitz. Ab jetzt zieht Waldus allein durch die Strassen und predigt das Evangelium. Waldus bleibt nicht lange allein, es entsteht eine kleine Gemeinschaft. Sie nennt sich „Die Armen Christi“. Waldus hätte es gern gehabt, dass der Papst sie als Ordensgemeinschaft anerkannt hätte, aber das wurde ihm verweigert. Im Gegenteil: zuerst Redeverbot, dann Ausweisung der Waldus-Leute aus dem Stadtgebiet von Lyon. Und 1184 wurde Waldus und seine Gemeinschaft als lrrgläubige exkommuniziert Im Jahr 1215 wurden die „Waldenser“ auf dem IV. Laterankonzil endgültig als Häretiker (Ketzer) verdammt.

Waldenserbewegung

Damit begann ein jahrhundertelanger Leidensweg der Waldenser. Sie verbreiteten ihre Lehre durch Wanderprediger, die sogenannten „Barben“ (d.h. „Onkel“). Sie zogen durchs Land und predigten in geheimen Versammlungen, als fahrende Händler getarnt. Meist waren es ein erfahrener Wanderprediger zusammen mit einem Schüler, die ein gefahrvolles Leben auf sich nahmen, um das Evangelium weiterzusagen. Auf diese Weise entstehen Gemeinden, die regelmäßig besucht werden von den Barben, die selbst das Evangelium in der Volkssprache hören wollen und die wichtigsten Teile der Bergpredigt auswendig lernen. Zentren der Bewegung sind die Provence, Süditalien und einige Täler in den Cottischen Alpen (Piemont).

Ein wichtiges Datum ist der Anschluss der Waldenser an die Reformation im Jahr 1532 im Beschluss der Synode von Chanforan . Von nun an sind sie in ständiger Verbindung mit den führenden protestantischen Mächten. Davon erhoffen sie sich Schutz vor den Verfolgungen. Es kommt anders. Der Beschluss von Chanforan wird von den katholischen Landesherren in Frankreich und Italien und der Papstkirche als Bedrohung angesehen, die Verfolgung wird verstärkt. 1545 wurden die Waldenser in der Provence und 1561 in Süditalien grausam verfolgt und weitgehend ausgerottet. Aus der Provence retten sich einige in die abgelegenen „Waldensertäler“, die als letzte Zuflucht gelten. Aber auch dort wird die Verfolgung immer stärker. 1655 wird ein furchtbares Massaker unter der waldensischen Bevölkerung angerichtet, das im protestantischen Europa Abscheu hervorruft, die „Piemontesischen Ostern“. Nun ist es sicher, daß auf längere Sicht auch in den letzten Zufluchtsorten der Waldenser kein Bleiben mehr sein kann. 1685 wird der waldensische Gottesdienst in den Tälern verboten, die Gotteshäuser werden abgerissen, die führenden Männer inhaftiert, viele versuchen der Gewalt zu entkommen durch die Flucht. Der Versuch des bewaffneten Widerstands muss scheitern angesichts der Übermacht der herzoglichen Truppen. Von 1685 bis 1687 flüchten über 2000 Bewohner des Pragelatales, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung.1686 wird das Toleranzedikt von Nantes aufgehoben, das den Waldensern einen Rest von Schutz gewährt hat.

Vertreibung und Flucht

Schließlich beginnt die große Vertreibungswelle 1687: Ausweisung der Waldenser, Flucht in die Schweiz, wieder kurzfristig die Möglichkeit zur Rückkehr („la glorieuse rentrée“ 1689), und schließlich die endgültige Verbannung von 3000 französischen Waldensern aus der Heimat im Piemont im Jahr 1698. Unter ihnen war auch der bekannte Waldenserpfarrer Henri Arnaud.

Der Waldenserpfarrer Henri Arnaud zählt zu den bekanntesten Führern der Waldenser. Er wurde in Embrun in der Dauphine im Südosten Frankreichs geboren. Die Familie verließ Frankreich um des Glaubens willen und wurde in La Tour (Torre Pellice) im Pellicetal ansässig. Dort besuchte Arnaud die Lateinschule. Zum Studium ging er in die Schweiz und nach Holland. Dann wurde er Pfarrer in den Waldensertälern. Bei der ersten Ausweisung 1685 und auch bei der zweiten Vertriebung 1698 setzte er sich unermüdlich für die Aufnahme der Waldneser in der Schweiz ein.

Es war das Jahr, in dem auch die Vorfahren der Nordhausener ihren beschwerlichen Weg nach Norden antreten mussten in eine ungewisse Zukunft. Mitten im Winter, in einem gefährlichen und entbehrungsreichen Marsch über das Gebirge mit Alten und Kindern, erreichten die Flüchtlinge schließlich Genf, die Stadt der Zuflucht. In der protestantischen Schweiz erfuhren sie herzliche Aufnahme und Hilfe. Sie konnten im Jahr 1699 weiterziehen nach Hessen und Württemberg. Beide Landesfürsten hatten sich angeboten, die Waldenser aufzunehmen als Glaubensflüchtlinge und neue Bürger ihres Landes.

Im Juni 1700 kamen 202 waldensische Glaubensflüchtlinge in unserem Gebiet an und gründeten das heutige Nordhausen. Ihre Heimat waren die Orte Mentoulles, Usseaux und Fenestrelles im Chisonetal. Sie hatten einen langen beschwerlichen weg hinter sich. Zuerst waren sie nach Hessen gewandert, nach Waldensberg. Aber dort war das Wasser knapp für so viele Menschen, und so entschloss sich eine größere Gruppe, wieder mehr nach Süden zu ziehen, nach Württemberg.

Nach der Ansiedlung in Württemberg 1699 wurde Henri Arnaud Pfarrer von Dürrmenz, der schwierigsten Waldenserkolonie, da mehrere Filialorte zu btreuen waren. In Schönenberg bei Mühlacker baute er sich ein Haus, das heute der 1936 gegründeten Deutschen Waldenservereinigung gehört und als Museum eingerichtet wurde. Viele Besucher kommen alljährlich zu dieser einzigartigen Stätte der Waldensergeschichte in Deutschland. Im Garten dieses Hauses pflanzte Arnaud die ersten Kartoffeln auf deutschem Boden und führte sie anschließend in den Waldenserorten ein. Arnaud starb 1721 und ist in der Schönenberger Kirche beigesetzt.

 

 
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